Tiere

Tauben in der Friedensstadt

Der Augsburger Verein gegen Tierversuche und Tierquälerei e. V., gegründet von Rudolf Reichert und einigen Mitstreitern, hat in den 90er-Jahren erfolgreich ein Taubenmanagementkonzept durchgesetzt, das heute als wegweisend gilt. Kern ist die Idee, Geburten von Tauben zu kontrollieren, indem die Taubeneier durch Attrappen ausgetauscht werden. Der Tierschutzverein Augsburg unterstützt das Konzept und übernimmt die Geschäfte der Taubenschützer in Zukunft.

In Augsburg gibt es zwölf Taubenschläge bzw. -häuser, die in vorbildlicher Weise überwiegend ehrenamtlich betreut werden.

Tauben Dr. Pfeuffer
Stadttaube geniest den Sommer am Augsburger Augustusbrunnen

Die Stadt- oder Straßentaube stammt von verwilderten Haus- und Brieftauben ab und gehört zum Stadtbild wie der Straßenverkehr oder Passanten. Das Zusammenleben ist gelegentlich konfliktreich. Vorurteile und Unwissen sind weit verbreitet. Viele Hauseigentümer sorgen sich um ihre Fassaden, Fensterbretter und Terrassen. Passanten, Kunden oder Besitzer von Straßencafés ärgern sich über die Tiere, wenn sie sehr zahlreich auftreten und betteln. Die Weltkriegsruinen und die nachfolgende Wohlstandsgesellschaft boten ideale Lebensbedingungen wodurch die Tiere sich stark vermehrten.Der Vogel hat aber auch viele Freunde. Mensch und Taube haben eine Jahrtausende alte gemeinsame Geschichte. Sie gehört zu den ersten Haustieren des Menschen überhaupt. Die Taube war das erste Tier, das die Arche Noah verließ und sie ist ein Symbol für Liebe und Frieden.

Tauben wurden schon immer vom Menschen genutzt.

Als Nahrungsmittel: Gebratene Tauben fielen im Schlaraffenland vom Himmel und Pharaonen und Römer schätzten sie als Speise. Viele Bauern hielten früher Tauben zur Fleischgewinnung, Die Wiener verbrauchten zum Beispiel um 1900 herum jährlich 750.000 Tauben und in den USA ist die Taubenmast noch heute üblich.

Taubenkot als Dünger: Als hochwertiges Düngemittel wird Taubenkot bis heute verwendet. Taubentürme mit bis zu 5000 Vögeln findet man noch am Mittelmeer, in der Türkei und im Iran.

Tauben als Boten: Seit Jahrtausenden kennt und nutzt man den hervorragenden Orientierungssinn der Tauben. Zum Schutz der Botentauben wurden im zweiten Weltkrieg an der englischen Kanalküste gezielt Greifvögel vernichtet. Bis vor kurzem gab es noch Brieftauben für militärische Zwecke. Erst heute verdrängt moderne Kommunikationstechnik die Tauben.

Tauben als Freizeitbeschäftigung: Allein in Deutschland haben Liebhaber über 260 Taubenrassen gezüchtet. Bei vielen Hochzeiten werden weiße Tauben fliegen gelassen.

Zu viele Tauben auf zu engem Raum  ist ein menschengemachtes Problem, das auch den Vögeln selbst schadet. Der Stress nimmt zu, Krankheiten und Parasiten treten häufiger auf, die Jungensterblichkeit steigt im ersten Lebensjahr. Aus Tierschutzgründen ist es daher sehr sinnvoll die Taubenpopulation relativ niedrig zu halten und durch geeignete Maßnahmen auch gesund.

Die unterschiedlichsten Methoden kommen dabei zum Einsatz. Allesamt meist wenig effektiv und höchst bedenklich. Wenig geholfen haben bisher Abschuss, Käfigfang mit Tötung, Vergiften mit Blausäure oder Schlafmitteln, “Tauben-Pille”, Ultraschall, elektromagnetische Felder, Taubenpasten oder mechanische Mittel wie Gitter, Drähte, Nägel uns so weiter.

Örtliche Fütterungsverbote können sinnvoll sein, als flankierende Maßnahme einer Betreuung. Sehr kritisch wirkt sich der städtische Abfall insbesondere von Essenresten aus. Hohe Dauerbestände sind besonders auf den unabsichtlichen Anfall von Abfällen, Getreideprodukten und sonstiger Nahrungsmittel zurückzuführen.

Erfolgreiches Tauben-Management

Als vernünftig und effektiv haben sich in vielen Städten Konzepte zum Management der Taubenbestände erwiesen. In eigens eingerichteten und betreuten Taubenschlägen können die Stadttauben gezielt angesiedelt und direkt kontrolliert werden. Wenn Taubenschläge alle Idealvoraussetzungen erfüllen, ziehen die Stadttauben gerne dorthin um. Die von ihnen gelegten Eier können durch Attrappen ersetzt werden. Dadurch wird der Bestand schonend und tierfreundlich konstant gehalten. Zusätzlich werden die übrigen Nistplätze unzugänglich gemacht. Begleitend wird das Futterangebot reduziert, wobei Fütterungszonen zur Begegnung Mensch-Taube erhalten bleiben.

Ziel ist dabei nicht die Vernichtung, sondern der Erhalt einer gesunden, gepflegten Taubenpopulation. Auch Stadttauben gehören zur Artenvielfalt unserer Siedlungen.